Original oder Remake? Die Qualität entscheidet über Erfolg.
Als am 12. April 1912 die Titanic in den Tiefen des Nordatlantiks versank, war dies eine Tragödie katastrophalen Ausmaßes. Sowohl “Tragödie” als auch “Katastrophe” haben ihre etymologischen Wurzeln im Theater des antiken Griechenlands. In den neuzeitlichen Filmtheatern kann demnach ein Stoff, der sich schon in seiner Definition des schauspielerischen Jargons bedient, nicht unverarbeitet bleiben. Es gibt Geschichten, wie die der Titanic, die so elektrisierend, nüchterner betrachtet so erfolg- und profitversprechend sind, dass sie mehrfach cineastisch umgesetzt werden. Mittlerweile rammte die Titanic in den Kinos dieser Welt bereits dreizehn Mal den todbringenden Eisberg. Die Umsetzung unter Regie von James Cameron erhielt elf Oscars und ist der zweiterfolgreichste Kinofilm aller Zeiten – wohlgemerkt als zehnte Verfilmung des Seefahrtdramas.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Anzahl von Neuverfilmungen rasant angestiegen. Es darf gemutmaßt werden, ob dies ein Zeichen der Kreativlosigkeit und Schwäche gerade der amerikanischen Filmindustrie darstellt. Doch das wäre zu kurz gedacht, schließlich sind die neuen visuellen Möglichkeiten zu verlockend, Originale in neuem Glanz erscheinen zu lassen. Special Effects und 3D-Aufnahmen legitimieren zunehmend die Sinnhaftigkeit von Remakes. Tim Burton nahm sich 2001 dem Ursprungswerk “Planet der Affen” aus dem Jahr 1968 an und katapultierte diesen inhaltlich und optisch in die Gegenwart, was die Kinogänger mit klingelnden Kassen quittierten. George Lucas griff 1999 nach sechtzehn Jahren seine Star Wars Saga wieder auf, jedoch setzte er die die Reihe fort, statt seine altgedienten Klassiker neu zu verfilmen. Die opulenten Umsetzungen überzeugten. Der erste Teil der wiederbelebten Sternenkrieger verdoppelte das Einspielergebnis des Vorgängers. Der erste erfolgreiche Remake in 3D war Alice im Wunderland – 107 Jahre nach der erstmaligen Stummfilm-Adaption.
Dass es Klassiker gibt, deren Reiz noch immer jedem Angriff von Neuverfilmungen standhält, steht (zum Leidwesen Hollywoods) außer Frage. Filme wie Casablanca wurden nie auch nur annähernd von modernen Umsetzungen erreicht. Die abermalige Umsetzung von “In 80 Tagen um die Welt” (2004) versagte an den Kinokassen. Statt Oscars regnete es eher Goldene Himbeeren. Remakes sind ein zweischneidiges Schwert, deren Legitimation mit Innovationen, Qualität und nicht zuletzt dem Votum des Kinobesuchers steht und fällt. Trotzdem wird die Titanic sicher nicht das letzte Mal gesunken sein.
Bildquelle: Miriam Trescher/ pixelio.de
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